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Interview /
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4. Mai 2022 /

„Führungskräfte in die Pflicht nehmen“

Die EUDEMOS GmbH & Co. KG hat sich im deutschen und europäischen Gesundheitsmanagement als Spezialist für Gesundheitsbefragungen und die Durchführung psychischer Gefährdungsbeurteilungen etabliert. Im Top Brand-Interview spricht Thomas Artmann, Geschäftsführender Gesellschafter der EUDEMOS GmbH und Co. KG, über Herausforderungen während der Pandemie, Denkverbote und die Zukunftspläne seines Unternehmens.

Etwas Persönliches zum Start: Wie sind Sie eigentlich zum Gesundheitsmanagement gekommen und warum ist das Thema so wichtig für Sie?

Ich bin ja nicht nur Psychologe, sondern auch Psychotherapeut. Gleichzeitig habe ich in meinem Studium einen Schwerpunkt auf Statistik gelegt und dort sogar andere Studierende mit ausgebildet und im Nebenfach Medizin studiert. Anschließend habe ich mich zunächst privat mit Fotografie und Grafikdesign befasst und bin darüber zum Informationsdesign gekommen. Über ein persönliches Erlebnis kam ich dann zum Gesundheitsthema: Ich hatte mit 22 Jahren eine schwere Demenzsymptomatik entwickelt mit einer starken Vergesslichkeit. Das war kurz vor den Vordiplomsprüfungen natürlich schlecht. Über einen Zufall kam ich auf die Ursache: bei uns in der Familie gibt es einen Gendefekt. Wir können kein Vitamin B12 aus der Nahrung aufnehmen und dann entwickelt man solche Symptome. Die Demenzsymptomatik ist nach einer Injektion mit B12 innerhalb von zwei Tagen weggegangen und seitdem lässt mich dieses Thema, welche Wirkung der Körper auf den Geist hat, nicht mehr los. Das nennt man Somatopsychologie und das ist eines meiner Schwerpunktthemen im Gesundheitsmanagement.

Über meine beruflichen Erfahrungen als Unternehmensberater vor der Gründung von EUDEMOS habe ich mich viel mit der Modellierung und Optimierung von Geschäftsprozessen befasst. Ein Thema, dass mir nun im Rahmen von Gefährdungsbeurteilungen psychischer Belastungen am Arbeitsplatz permanent wieder begegnet.

Herzlichen Glückwunsch, EUDEMOS ist als Top Brand Corporate Health ausgezeichnet worden. Was macht Sie einzigartig und warum sollten Unternehmen Sie auswählen?

Danke. Ich habe mich über die Auszeichnung auch sehr gefreut. Da wir mit EUDEMOS unsere Kunden oft ziemlich lange begleiten und darauf achten, dass ein vollumfängliches Gesundheitsmanagement-System eingeführt wird, gewinnen viele unserer Kunden den Corporate Health Award. Daher kommt es, dass wir als Dienstleister empfohlen wurden.

Wir bei EUDEMOS versuchen dem Kunden vollständige Prozesse anzubieten, also möglichst alle Dienstleistungen eines Vorgangs, wie etwa einer Gesundheitsbefragung, aus einer Hand anzubieten. Das geht bei der Erstellung von Broschüren und Erklärvideos los, geht weiter z. B. mit komplexen Hybridbefragungen aus Online- und Papierfragebogen, adaptiven Fragebögen, einer guten Logistikunterstützung, z. B. haben wir mal 7.200 Papierfragebögen an 270 Standorte eines Unternehmens per Post versendet, einer laienverständlichen Datenaufbereitung und Ergebnisberichtgestaltung, die sich an den Bedarfen der unterschiedlichen Leserschaften orientiert bis hin zu Folgeschulungen von Führungskräften. Wir bemühen uns, unsere Kunden durch komplexe Prozesse hindurchzuleiten, so dass man auch mit wenig Manpower eine Gesundheitsbefragung stemmen kann.

Was waren größere Herausforderungen während der Pandemie für Sie und wie sind Sie damit umgegangen?

Obwohl ich schon seit Jahren stark in die Online-Bildung investiere, etwa über die Haufe-Akademie einen echten Hybridausbildungslehrgang für GesundheitsmanagerInnen entwickelt habe, und seit Jahren versuche, Unternehmen zu Onlineseminaren zu bewegen, war das Geschäft damit eher zäh. Im März 2020 wurden mir dann 90% meines Auftragsvolumens innerhalb von einer Woche gekündigt. Das war ein ziemlicher Schlag und ich habe sehr schnell und früh alle MitarbeiterInnen von mir in Kurzarbeit geschickt. Innerhalb von 4 Wochen habe ich dann etwa die Hälfte des Geschäfts wieder zurückgeholt, im Onlineformat. Außerdem habe ich bei mehreren Unternehmen eine psychologische Gruppenbetreuung während des ersten Lockdowns durchgeführt. In etwa 25 Gruppensitzungen pro Woche habe ich mehrere Hundert Menschen über 4 Monate durch die erste Lockdown-Phase und Home-Office begleitet. Wir hatten befürchtet, dass es da zu psychischen Überlastungen kommen würde und fanden das leider zuhauf bestätigt. Gerade alleinlebende Menschen sind damals depressiv geworden, es gab viele Ängste und Sorgen und wir haben in diesen festen Gruppen einfach geredet und uns ausgetauscht. Gleichzeitig habe ich die TeilnehmerInnen, die auffällige psychische Überlastungsanzeichen hatten, einzeln angesprochen und in eine 1:1 Betreuung vermittelt, wo das möglich war. Im Grund ist das eine konsequente Anwendung der sog. Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz gewesen.

Ab 2021 hatte ich dann alle Prozesse und Angebote komplett auf Online umgestellt und führe gerade die Nachsorge von Gesundheitsbefragungen und Gefährdungsbeurteilungen komplett in Onlineworkshops durch, übrigens auch mit Kunden, die das ihren MitarbeiterInnen nie zugetraut hätten.

Wo sollte sich das Gesundheitsmanagement hin entwickeln?

TeilnehmerInnen aus meinen Lehrgängen kennen meine Meinung zum Gesundheitssystem in Deutschland. Das funktioniert einfach nicht sehr gut und es werden immer mehr Denkverbote gerade auch für den Bereich der Alternativmedizin ausgesprochen, wobei ich hier sehr klar die wissenschaftlich fundierte Stressmedizin und die Psycho-Neuro-Endokrino-Immunologie meine und nicht die esoterische Medizin, mit der ich nichts zu tun habe. Die Stoffwechselzusammenhänge und deren Auswirkungen auf die Psyche sind sehr gut erforscht und seit vielen Jahren bekannt. Schlafstörungen, depressive Symptome und Erschöpfung lassen sich in unglaublich kurzer Zeit durch eine saubere Diagnostik auf ihre allermeist körperlichen Ursachen oder Stoffwechselprobleme eingrenzen und behandeln und das meist ohne Schlafmittel oder Psychopharmaka. Diese Denkverbote sind jedoch die wichtigste Ursache für die großen wirtschaftlichen Schäden, die durch Fehlzeiten und Produktivitätsverluste durch Erschöpfungserkrankungen oder sog. depressive Erkrankungen in den Unternehmen entstehen. Für einen Bruchteil der Krankheitsunfähigkeitstagekosten ließe sich eine saubere Ursachendiagnostik und eine gezielte Beeinflussung des Stoffwechsels umsetzen und die „AU-Tage wegen Psyche“, wie man das so nennt, würden rapide sinken. Hier muss und kann das BGM einspringen, vor allem durch einen fundierten Ansatz der Gesundheitskompetenzentwicklung, also Gesundheitswissensvermittlung.

Des Weiteren denke ich, dass die Branche teilweise echte Qualitätsprobleme hat und immer wieder Projekte einfach fachlich und technisch schlecht umgesetzt werden. Ich habe in meinem Buch mehrere Strategien formuliert, wie das Gesundheitsmanagement wirksamer werden kann. Ich fordere eine konsequente Orientierung auf Verhaltensveränderungen, zum einen innerbetrieblich, etwa durch eine sorgfältige Aufarbeitung von Gesundheitsbefragungen und ein „In die Pflicht nehmen“ von Führungskräften, zum anderen persönlich durch eine Verbesserung des Gesundheitsverhaltens des Einzelnen durch eine gute Gesundheitsförderung und Gesundheitswissensvermittlung.

Was möchten Sie mit Ihrem Unternehmen in den nächsten 12 Monaten erreichen?

Im Moment fokussieren wir uns auf die technische Optimierung unserer Befragungsprozesse, weil wir immer komplexere und größere Anfragen bekommen. So haben wir 2021 ein Unternehmen mit 13.000 MitarbeiterInnen befragt und haben dadurch einen technischen Sprung gemacht. Seitdem führen wir immer komplexere Projekte durch mit Sonderwünschen von Kunden. Darauf fokussieren wir. Zudem entwickle ich gerade einen Methodenkoffer, um die Umsetzung von Soziokratie-Techniken in Teams und Unternehmen möglich zu machen. Es geht um die Implementierung von selbstregulierenden Teams und Konsententscheidungen mit einer konsequenten Fehler- und Prozesskultur. Das entsteht gerade als Online-Lernsuite.

Thomas Artmann, Geschäftsführender Gesellschafter der EUDEMOS GmbH und Co. KG
Thomas Artmann, Geschäftsführender Gesellschafter der EUDEMOS GmbH und Co. KG
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Katja Werner
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